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Warum Leadership zur Schlüsseldisziplin im KI-Zeitalter wird

  • Autorenbild: Barbara Burkner
    Barbara Burkner
  • 23. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Führung steht 2026 im Zentrum unternehmerischer Wirksamkeit


2026 wird zum Thema KI ein Jahr der Entscheidung. Einer Entscheidung darüber, wie Führung verstanden, gelebt und wirksam umgesetzt wird.


Künstliche Intelligenz steht dabei häufig im Mittelpunkt der Diskussion – doch sie ist nicht das eigentliche Thema. KI wirkt vielmehr als Katalysator. Sie macht sichtbar, wo bestehende Führungslogiken an ihre Grenzen stoßen, wo Orientierung fehlt und wo Organisationen versuchen, neue Dynamiken mit alten Mustern zu steuern.

Nicht, weil Führung „schlechter“ geworden wäre. Sondern weil sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert haben.

 

Wenn Systeme schneller werden als Führungslogiken


Mit der Einführung von KI verändern sich nicht nur Tools oder Prozesse. Gleichzeitig steigen:

  • die Geschwindigkeit von Entscheidungen,

  • die Komplexität von Zusammenhängen,

  • die Anzahl möglicher Handlungsoptionen.


Was früher nacheinander gedacht werden konnte, geschieht heute parallel. Was früher planbar war, ist heute oft nur noch abschätzbar.

In vielen Organisationen entsteht daraus ein paradoxes Bild:

Je mehr technologische Möglichkeiten vorhanden sind, desto instabiler wirkt das Gesamtsystem.

Der Grund liegt selten in der Technologie selbst – sondern darin, dass Führung versucht, diese neue Dynamik mit vertrauten, kontrollorientierten Mustern zu beherrschen.

 

KI ist keine Technologiefrage – sie ist eine Führungsfrage


Technologie ist immer ein Werkzeug. Nicht mehr – aber auch nicht weniger. Ein Werkzeug entfaltet seinen Nutzen nur dann, wenn klar ist:

  • wofür es eingesetzt wird,

  • von wem,

  • und in welchem Kontext.


Ein überfüllter Werkzeugkasten ersetzt kein Handwerksverständnis. Fünfzig Tools helfen nicht weiter, wenn das eine passende fehlt – oder wenn niemand weiß, wie es richtig eingesetzt wird. Wer ein Auto reparieren möchte, wird mit einer Werkstatt voller Schreinerwerkzeug nicht weit kommen.


Übertragen auf KI bedeutet das: Ohne Zielbild, ohne Kompetenzaufbau und ohne klare Führungslogik wird KI zum Störfaktor statt zum Werttreiber.

Führungskräfte, die KI-Entscheidungen treffen, ohne selbst ein fundiertes Verständnis zu besitzen, delegieren Verantwortung, die nicht delegierbar ist. Die Folgen sind Initiativen ohne Wirkung, Projekte ohne nachhaltigen Nutzen und Organisationen, die wertvolle Zeit, Vertrauen und Energie verlieren.

 

Polarisierung statt Klarheit: Wenn Führung keine Haltung einnimmt


Zusammenarbeit mit KI

In der Praxis zeigt sich aktuell eine deutliche Polarisierung:

  • Auf der einen Seite Organisationen, die jeden neuen KI-Trend umsetzen wollen – schnell, ambitioniert, aber oft ohne Richtung.

  • Auf der anderen Seite jene, die KI aus Unsicherheit oder Angst grundsätzlich blockieren oder verzögern.


Beide Haltungen führen nicht zu nachhaltiger Wertschöpfung. Sie erzeugen Reibungsverluste, Überforderung, Frustration – und letztlich Führungsdefizite.

Das eigentliche Problem ist dabei kein Umsetzungsproblem. Es ist ein Führungsproblem auf struktureller Ebene.


Dort, wo Führung nicht mehr in der Lage ist, System, Mensch und Wirkung gleichzeitig zu halten, entstehen Lücken: Mitarbeitende verlieren Orientierung, Entscheidungen werden fragmentiert oder vertagt, Produktivität wird von Komplexität aufgezehrt.

 

Führung verschiebt sich – ob wir wollen oder nicht


Die Rolle von Führung verändert sich grundlegend. Führung bedeutet immer weniger:

  • Kontrolle sicherzustellen,

  • Abläufe zu überwachen,

  • Entscheidungen möglichst spät abzusichern.

Und zunehmend mehr:

  • Orientierung zu geben, wo keine Eindeutigkeit mehr existiert,

  • Prioritäten zu setzen, wo scheinbar alles gleichzeitig möglich ist,

  • Verantwortung zu übernehmen, auch ohne vollständige Informationen.


Führung wird weniger operativ steuernd und stärker gestaltend, einordnend und haltend. Diese Verschiebung ist für viele Führungskräfte herausfordernd – nicht wegen der Technik, sondern weil sie innere Führungsbilder infrage stellt, die über Jahre hinweg getragen haben.

 

 

Führung wirkt auf drei Ebenen – und alle sind entscheidend


Gerade im KI-Zeitalter zeigt sich Leadership auf drei untrennbaren Ebenen:

  1. Selbstführung

  2. Mitarbeiterführung – inklusive KI als „Mitarbeitenden“

  3. Unternehmensführung


Wer eine dieser Ebenen vernachlässigt – insbesondere im Umgang mit oder bei der Einführung von KI – erzeugt Instabilität im Gesamtsystem.

KI wirkt dabei wie ein Brennglas: Sie verstärkt bestehende Muster, Haltungen und Unklarheiten. Führung kann sich dieser Wirkung nicht entziehen.

 

Führung beginnt bei der Selbstführung


Bevor KI sinnvoll in Teams oder Organisationen integriert werden kann, beginnt Führung bei der eigenen Haltung. Die zentrale Verantwortung von Führungskräften liegt zunächst darin, sich selbst klar zu positionieren und grundlegende Fragen zu beantworten:

  • Warum setze ich KI ein?

  • Welches konkrete Ziel verfolge ich damit?

  • Was soll KI mir abnehmen – und was bewusst nicht?

  • Wo will ich hin, und wovon will ich weg?


Wer diese Fragen nicht beantworten kann, verliert Orientierung – und kann auch Mitarbeitende nicht überzeugen oder mitnehmen. Der vermeintliche Zauber der KI verpufft dann im Aktionismus.

Selbstführung ist daher kein „weiches Thema“. Sie ist der strategische Ausgangspunkt jeder technologischen Transformation.

 

Warum Leadership 2026 zur Schlüsseldisziplin wird


KI macht sichtbar, was Führung heute leisten muss – und was nicht mehr ausreicht. Es geht nicht darum, alles neu zu erfinden. Aber es geht darum, anders zu denken:

  • nicht eindimensional, sondern vernetzt,

  • nicht reaktiv, sondern einordnend,

  • nicht nur effizient, sondern wirksam.


Führung wird damit zur tragenden Struktur im Umgang mit KI. Nicht als Zusatzkompetenz, sondern als Rahmen, der Orientierung ermöglicht und Wirksamkeit schafft.

Denn KI wirkt längst. Die entscheidende Frage ist, ob sie als Wachstumskatalysator genutzt wird – oder durch fehlende Führung zur Performancebremse wird.


 

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